Die Ernährung eines Pferdes ist weit mehr als die tägliche Heugabe. Sie ist die Grundlage für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden – und gleichzeitig einer der häufigsten Fehlerquellen in der Pferdehaltung. Zu viel Kraftfutter, zu wenig Raufutter, falsch dosierte Ergänzungen oder minderwertige Produkte können langfristige Schäden verursachen, die sich oft erst Jahre später zeigen. Dieser Ratgeber gibt Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzern in der Schweiz einen fundierten Überblick über die Grundlagen der Pferdeernährung – sachlich, praxisnah und auf die Bedürfnisse moderner Pferdehaltung abgestimmt.
Warum die Ernährung des Pferdes so komplex ist
Das Pferd ist ein Steppentier – ursprünglich darauf ausgelegt, täglich bis zu 16 Stunden lang langsam über Weiden zu wandern und dabei kontinuierlich kleine Mengen faserreiches Gras aufzunehmen. Der Verdauungsapparat des Pferdes ist auf genau dieses Prinzip ausgerichtet: kleiner Magen, langer Darm, kontinuierliche Futteraufnahme.
Die moderne Pferdehaltung weicht davon erheblich ab: Boxenhaltung, feste Fütterungszeiten, kraftfutterreiche Rationen und eingeschränkte Bewegung stellen den Verdauungstrakt des Pferdes vor Herausforderungen, für die er evolutionär nicht ausgelegt ist. Das Ergebnis sind häufige Probleme wie Magengeschwüre, Hufrehe, Koliksyndrom und Stoffwechselerkrankungen.
Wer die Ernährung seines Pferdes versteht, kann diesen Risiken gezielt entgegenwirken.
Die drei Säulen der Pferdeernährung
1. Raufutter – die unverzichtbare Grundlage Heu ist und bleibt das wichtigste Futtermittel für Pferde. Es bildet die Basis jeder Fütterung und sollte den größten Anteil der täglichen Ration ausmachen. Die Faustregel: mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht täglich – besser mehr.
Worauf beim Heu zu achten ist:
- Qualität: Sauberes, gut belüftetes Heu ohne Schimmel, Staub oder Fremdkräuter
- Schnitt: Erstes Schnitt-Heu ist energiereicher, spätere Schnitte strukturreicher und magenschonender
- Analyse: Wer genau weiß, was im Heu steckt, kann Ergänzungen gezielter einsetzen
Gras auf der Weide ist wertvoll – aber nicht unkritisch. Frühjahrsgras mit hohem Fruktan-Gehalt kann bei stoffwechselempfindlichen Pferden Hufrehe auslösen. Weidegang sollte daher schrittweise eingeführt und bei Bedarf zeitlich begrenzt werden.
2. Kraftfutter – sinnvoll dosiert, nicht als Standard Kraftfutter – Getreide, Müsli oder Pellets – liefert schnell verfügbare Energie. Es ist sinnvoll für Pferde mit hohem Energiebedarf: Sportpferde, laktierende Stuten oder untergewichtige Tiere. Für den durchschnittlichen Freizeitreiter oder das Rentner-Pferd ist Kraftfutter oft entbehrlich.
Wer Kraftfutter einsetzt, sollte folgendes beachten:
- Nie mehr als 1–1,5 kg pro Mahlzeit – der kleine Magen des Pferdes kann nicht mehr effizient verarbeiten
- Mindestens drei Fütterungszeiten täglich bei Kraftfuttergabe
- Getreide immer eingeweicht oder gequetscht anbieten – ungequollenes Hafer kann unverdaut in den Dickdarm gelangen
3. Wasser – der häufig unterschätzte Faktor Ein Pferd trinkt täglich 30 bis 50 Liter Wasser – bei Hitze oder starker Arbeit deutlich mehr. Mangelnde Wasserversorgung ist eine der häufigsten Ursachen für Koliken. Frisches, sauberes Wasser muss jederzeit und in ausreichender Menge verfügbar sein.
Mineralfutter für Pferde: Was der Körper täglich braucht
Selbst hochwertiges Heu kann nicht alle Mineralien und Spurenelemente liefern, die ein Pferd täglich benötigt. Böden und damit das Pflanzenwachstum variieren regional erheblich – in der Schweiz sind bestimmte Spurenelemente wie Selen in manchen Regionen im Boden natürlich knapp.
Mineralfutter schließt diese Lücken gezielt. Die wichtigsten Mineralien und ihre Funktion:
Calcium und Phosphor Unverzichtbar für Knochen, Zähne und Muskelkontraktion. Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor sollte bei 1,5:1 bis 2:1 liegen – eine Umkehrung dieses Verhältnisses kann langfristig zu Knochenproblemen führen.
Magnesium Wichtig für Muskel- und Nervenfunktion. Magnesiummangel kann sich in Nervosität, Muskelzittern und erhöhter Schreckhaftigkeit äußern.
Selen Antioxidativ wirksam, schützt Muskelzellen und das Immunsystem. Selenmangel ist in der Schweiz verbreitet – eine gezielte Supplementierung ist bei vielen Pferden sinnvoll.
Zink und Kupfer Wichtig für Haut, Fell, Hufe und Immunsystem. Zinkmangel äußert sich oft in schlechter Hufoualität und stumpfem Fell.
Eisen In der Regel ausreichend im Grundfutter enthalten – eine zusätzliche Eisengabe ist meist nicht notwendig und kann andere Mineralien in ihrer Aufnahme behindern.
Bei der Auswahl von Mineralfutter gilt: Weniger ist oft mehr. Hochwertige, bedarfsgerecht zusammengesetzte Produkte sind besser als eine Kombination vieler verschiedener Einzelpräparate. Wer unsicher ist, sollte eine Futteranalyse des Heus durchführen lassen – und darauf aufbauend gezielt ergänzen.
Kräuter für Pferde: Naturheilkunde mit langer Tradition
Die Verwendung von Kräutern in der Pferdeernährung hat eine lange Geschichte – und gewinnt in der modernen Pferdehaltung wieder an Bedeutung. Kräuter können gezielt eingesetzt werden, um spezifische Gesundheitsbereiche zu unterstützen:
Verdauung Fenchel, Kamille und Pfefferminze wirken entspannend auf den Magen-Darm-Trakt. Besonders bei Pferden mit empfindlichem Magen oder nach Stresssituationen können Kräutertees oder -pulver helfen.
Atemwege Thymian, Spitzwegerich und Eukalyptus unterstützen die Atemwegshygiene – besonders relevant für Pferde in staubigen Stallungen oder mit chronischen Atemwegsproblemen.
Entspannung und Nervensystem Baldrian und Passionsblume werden traditionell bei nervösen oder stressempfindlichen Pferden eingesetzt – zum Beispiel vor Turnieren oder beim Transport.
Gelenke und Bewegungsapparat Teufelskralle, Weidenrinde und Brennnessel gelten als klassische Kräuter zur Unterstützung der Gelenkgesundheit.
Wichtig: Auch Kräuter sind Wirkstoffe. Vor dem Einsatz sollte die Eignung für das individuelle Pferd geprüft werden – und bei Turnierpferden ist zu beachten, dass einige Kräuter wie Baldrian auf der FEI-Positivliste stehen.
Ergänzungsfutter: Wann es sinnvoll ist
Ergänzungsfutter ist kein Ersatz für eine ausgewogene Grundernährung – aber eine sinnvolle Ergänzung in bestimmten Lebenssituationen:
Jungtiere und Fohlen In der Wachstumsphase sind bestimmte Nährstoffe besonders wichtig – Calcium, Phosphor, Zink und Vitamine spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von Knochen und Muskulatur.
Hochleistungspferde Sport und intensive Arbeit erhöhen den Bedarf an Energie, Elektrolyten und antioxidativen Nährstoffen erheblich. Ergänzungen mit Vitamin E, Selen und B-Vitaminen können sinnvoll sein.
Ältere Pferde Die Nährstoffaufnahme lässt im Alter nach – ältere Pferde profitieren oft von leicht verdaulichen Ergänzungen, die den Mineralstoffhaushalt stabilisieren und die Gelenke unterstützen.
Pferde in der Rekonvaleszenz Nach Krankheit, Verletzung oder Operation ist der Nährstoffbedarf erhöht – gezielte Ergänzungen unterstützen die Regeneration.
Wer auf der Suche nach einem umfassenden Sortiment an hochwertigem Pferdefutter, Mineralfutter und natürlichen Kräuterprodukten ist, findet bei der Tier im Mittelpunkt GmbH einen auf artgerechte Tierernährung spezialisierten Anbieter aus der Schweiz – mit über 100.000 zufriedenen Kunden, eigenem Verkaufsladen und einem Sortiment, das von Grundfutter über Mineralergänzungen bis hin zu natürlichen Kräutermischungen reicht.
Besonderheiten der Pferdeernährung in der Schweiz
Die Schweiz hat einige Besonderheiten, die für die Pferdeernährung relevant sind:
Selenversorgung In vielen Regionen der Schweiz ist der Selenspiegel im Boden natürlich niedrig – was sich direkt auf den Selengehalt von Weidegras und Heu auswirkt. Eine regelmäßige Blutuntersuchung und gezielte Selensupplementierung sind für viele Schweizer Pferde empfehlenswert.
Weidequalität Die intensiv bewirtschafteten Weiden der Schweiz liefern oft energie- und fruktan-reiches Gras – besonders im Frühjahr. Für stoffwechselempfindliche Pferde oder Ponys ist ein kontrollierter Weidegang wichtig.
Heuqualität Das Klima in der Schweiz beeinflusst die Heuqualität erheblich. Nasses Wetter beim Ernte kann Schimmel begünstigen – Heuanalysen helfen, die tatsächliche Nährstoffzusammensetzung zu kennen und gezielt zu ergänzen.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV informiert auf seiner Website über Tierhaltungsvorschriften, Futtermittelrecht und Nährstoffempfehlungen für Nutztiere in der Schweiz – eine verlässliche Referenz für alle, die ihre Pferde rechtskonform und bedarfsgerecht ernähren möchten.
Häufige Ernährungsfehler und wie man sie vermeidet
Aus der Praxis lassen sich typische Fehler benennen:
Zu viel Kraftfutter Häufigster Fehler – besonders bei Freizeitpferden, die nur wenig Arbeit leisten. Überschüssige Energie wird als Fett eingelagert oder führt zu Unruhe und Verhaltensauffälligkeiten.
Zu wenig Raufutter Ein leerer Magen ist beim Pferd das Hauptrisiko für Magengeschwüre. Pausen zwischen Fütterungen von mehr als vier Stunden sollten vermieden werden.
Unkritischer Einsatz von Ergänzungen Viele Pferdebesitzer kombinieren mehrere Ergänzungsprodukte, ohne deren Inhaltsstoffe zu kennen – Überdosierungen bestimmter Vitamine oder Mineralien sind die Folge.
Abrupte Futterumstellungen Das Mikrobiom im Pferdedarm braucht Zeit zur Anpassung. Jede Futterumstellung sollte über mindestens zwei Wochen schrittweise erfolgen.
Fehlende Heuanalyse Wer nicht weiß, was im Heu steckt, ergänzt ins Blaue hinein. Eine Heuanalyse kostet wenig und liefert die Grundlage für eine bedarfsgerechte Supplementierung.
Der Schweizerische Nationalgestüt bei Avenches forscht und publiziert regelmäßig zu Themen der Pferdeernährung und -haltung – wissenschaftlich fundierte Informationen für alle, die ihre Fütterungspraxis auf solider Basis aufbauen möchten.
Fazit: Gute Pferdeernährung beginnt mit Wissen
Ein gesundes Pferd braucht keine komplizierten Fütterungspläne – aber es braucht Besitzer, die die Grundlagen der Pferdeernährung kennen und verstehen. Hochwertiges Raufutter als Basis, bedarfsgerechtes Mineralfutter, sinnvolle Ergänzungen für spezifische Bedürfnisse und natürliche Kräuter als sanfte Unterstützung – das ist das Fundament einer artgerechten Pferdeernährung. Wer zudem auf hochwertige Produkte von vertrauenswürdigen Anbietern setzt, legt die beste Grundlage für ein langes, gesundes Pferdeleben.